THREE

Künstlerische Leitung und Choreografie:
Roselinde Fock-Nüzel
Tanz: Sophie Nüzel, Marie Nüzel
und Corina Brockhaus
München, Percha (De) | 2015

„THREE“ ist der Versuch die Umzäunungen der menschlichen Existenz wie eine Landschaft darzustellen, durch deren Höhen und Tiefen wir wandern, deren Entstehen und Vergehen wir physisch wahrnehmbar machen. Mit jedem Schritt, mit jedem Fall zu Boden, mit jeder Berührung, mit jedem Ausstrecken einer Hand entfalten sich verschiedene Facetten und Seinszustände: schonungslose Ungeschütztheit, gläserne Zerbrechlichkeit, traumatische Erlebnisse, die das Leben abfackeln, Prüfungen, die man nicht umsonst durchläuft – ein Bewegen zwischen Lebensumständen, aber auch adressiert an ein Jetzt und eine Gegenwart, in der nichts verdrängt und nichts beschönigt wird. Dem Bühnengeschehen liegt der erste Satz der dritten Symphonie von Henryk Górecki zu Grunde, die auch als Klagesymphonie verhandelt wird. In drei Sätzen und 21 Repetitionen einer A-Dur Triole baut sich die Musik in ewiger Wiederholung zu einer Klangfülle auf, die ein Maximum an Energie kreiert, und obwohl sehr gebändigt, jederzeit zu explodieren scheint. Wir haben in unserer Herangehensweise die Musik wie ein Objekt in den Raum gestellt und den durch sie erzeugten Klangteppich als Gewebe benutzt. „Ich klage, ich trauere, ich weine“ – diese drei Schlüsselsätze der Symphonie haben wir sowohl im Gestus der Taubstummen-Gebärdensprache als auch in einem generellen Statement von Humanität in das Bild der beinahe stehenden Musik eingewebt.

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© Fabian Helmich
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© Fabian Helmich